Orthodoxe Kirchen in Polen

Polnische orthodoxe Kirche
Die orthodoxe Kirche stellt in unserem Nachbarland Polen mit 600 bis 800 Tausend Gläubigen die größte Glaubensgemeinschaft nach der römisch-katholischen Kirche. Geleitet wird sie durch die Metropoliten von ganz Polen und Warschau. Dabei ist die Kirche in sieben Diözesen gegliedert. In Polen versehen rund 400 Priester in 300 Gemeinden ihren Dienst. Hinzu kommen unzählige Auslandsdiözesen.

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Die Geschichte der orthodoxen Gotteshäuser in Polen

Ursprünglich gehörten die orthodoxen Gläubigen in Polen unterschiedlichen Ethnien an. Die Mehrheit bildeten Menschen ukrainischer und belorussischer Herkunft. Obwohl die Gemeinden heute in ganz Polen verstreut sind, gibt es Schwerpunkte im Osten und Südosten des Landes. Bis zu der Teilung im 18. Jahrhundert waren der Westen und Südwesten des Landes römisch- katholisch geprägt. Im Osten, Norden und Südosten waren hingegen der orthodoxe und später der damit konkurrierende griechisch-katholische Glauben stärker.

Die orthodoxen Kirchen heißen „Cerkiew“ und sehen bereits aus der Ferne vollkommen anders aus als Deutschlands Kirchen. Dies kommt dadurch, dass sie aus Holz mit unzähligen Türmchen und kugelrunden Aufbauten bestehen. Diese einzigartige Architektur ist nur im nördlichen Karpatenbogen zu finden. Im Inneren der in der Regel schlicht anmutenden Gotteshäuser werden die Besucher von prachtvollen und farbenfrohen Ikonostasen und Wandmalereien überrascht. Auch heute noch sind orthodoxe Kirchen ein Erlebnis für alle Sinne. Die Malerei und gefällige Baukunst mit eindrucksvollen Skulpturen vermischt sich mit uralten Brettern und Balken.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Bevölkerung überwiegend ihre Heimat verlassen und die meisten Bewohner wurden in die damalige Sowjetunion oder in das ehemalige deutsche Ostgebiet umgesiedelt. Nur ganz wenigen gelang es, in der alten Heimat zu bleiben oder später wieder zurückzukehren. Aus diesem Grund werden heute viele der vormals orthodoxen Gotteshäuser nun als römisch-katholische Kirchen genutzt.

Routentipp entlang der acht UNESCO-Kirchen

Wer nun heute die Schönheit der Holzkirchen auf einer Reise erleben möchte, beginnt seine Reise am Besten im Westen in der Woiwodschaft Małopolska. An der dortigen Grenze zur Slowakischen Republik befinden sich vier der acht UNESCO-Kirchen. Die heute als katholisches Gotteshaus genutzte Kirche in Powróżnik des Apostels Jakob des Jüngeren wurde um 1600 erbaut. Das dreigeteilte Kirchengebäude wird von einem mit einer Zwiebelspitze bekrönten Turm verziert. Die polychromen Malereien der Sakristei stammen aus dem Jahr 1637. Die Kirche zwischen den Kurorten Muszyna und Krynica-Zdrój und gilt als ältestes Beispiel für den Baustil der westlichen Lemken.

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Ebenfalls lemkischen Ursprungs ist die Erzengel Michael Kirche im unweit gelegenen Brunary Wyżne. Auch die 1797 erbaute Kirche dient heute der römisch-katholischen Gemeinde. Die ebenfalls dreiteilige Kirche ist sogar von zwei Zwiebeltürmchen bekrönt. Im Inneren finden Besucher beeindruckende Wandmalereien aus barocker und klassizistischer Zeit. Im 14 Kilometer weiter östlich liegenden Dorf Kwiatoń befinden sich zwei weitere orthodoxe Kirchen. Aber nur das ursprünglich griechisch-katholische Gotteshaus der Heiligen Paraskevi steht im Schutz der UNESCO. Von der höchsten Stelle des Turms fällt das Gebäude stufenartig ab. Dabei sind die Dächer von Hauptschiff und Sakristei pagodenartig gestuft.

Die letzte der vier UNESCO-Kirchen im Gebiet Woiwodschaft Kleinpolen befindet sich in Owczary. Das 1653 erbaute Gotteshaus verfügt über eine ähnliche Architektur wie die Kirche in Kwiatoń. Eine aus dem 18. Jahrhundert stammende Barock-Ikonostase mit reichen Goldverzierungen ist noch erhalten geblieben.
Die weiteren vier Kirchen sind in der Woiwodschaft Podkarpackie zu bestaunen. Sie unterscheiden äußerlich von den kleinpolnischen Kirchen. Im Örtchen Turzańsk liegt die griechisch-katholische Erzengel Michael Kirche aus den Jahren 1801 bis 1803. Besonders hübsch sind die Dachreiter aus zweifachen oder einfachen Zwiebeltürmchen.

Rund 80 Kilometer weiter östlich liegt in Smolnik eine sehr kompakt wirkende Erzengel Michael Kirche im Baustil der Bojken. Sie wurde 1791 errichtet und verfügt über drei turmartige Baukörper. Weiter im Norden, im Sandomierz-Becken und in der Hügellandschaft Roztocze, befinden sich die beiden letzten Kirchen. Die Kirche in Chotyniec, der Geburt der Allerheiligsten Muttergottes, wurde um 1600 errichtet und gleicht der Kirche in Smolnik, nur dass sie vier Bauteile besitzt.
Etwa 60 Kilometer weiter in Radruż liegt die 1583 errichtete Kirche der Heiligen Paraskevi. Sie diente nicht ausschließlich religiösen Zwecken und wird von einer Feldsteinmauer mit zwei Toren umgeben. Das Gotteshaus gilt als älteste griechisch-katholische Holzkirche in Polen.

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